Ausstellungseröffnung “ars Liturgica”
(Am 09. Mai 2013 von Agnes Gensichen geschrieben)

Fastentuch, Gestaltungswettbewerb, ars liturgica

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Fotomontagen: Agnes Gensichen

Am 15. Mai 2013 18.00 Uhr wird im Kardinal Hengsbach Haus in Essen die Ausstellung mit ausgewählten Ergebnissen (u.a. mit der oben gezeigten Entwurfsarbeit von Markus Zink) des Wettbewerbes zur Gestaltung eines Fastentuches, welcher im vergangenen Jahr vom Kunstverein im Bistum Essen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Liturgischen Institut Trier und dem Liturgiewissenschaftlichen Lehrstuhl an der Ruhr-Universität Bochum unter dem Titel “ars Liturgica” ausgelobt wurde, eröffnet.

Die Arbeiten werden vom 16. Mai bis zum 21. Juli in Essen zu sehen sein.

Idee

Die Idee zur Gestaltung des Fastentuches für die Heilig Kreuz Kirche in Gladbeck-Butendorf basiert einerseits auf den der Fastenzeit zu Grunde liegenden 40 Tagen des Verzichts innerhalb von 7 Wochen vor dem Osterfest und andererseits auf dem Gedanken einer sich in dieser Zeit verändernden Sichtweise.

Das Kreuz in einem Kirchenraum wird bei einem regelmäßigen Kirchenbesuch wahrscheinlich kaum noch wahrgenommen. Durch “eingeübte Sichtweisen” bekommt es eine  “unsichtbar machende Normalität” und vielleicht verliert man sogar das Verständnis für den tieferen Sinn und die Bedeutung des Kreuzes. 

Es ist eben da.

Um in diesem gewohnten Blick gestört zu werden und damit genau hinzuschauen, soll das Kreuz verhüllt werden. Das Unsichtbare wird wieder sichtbar, obwohl es nicht zu sehen ist.

Der Zugang zu Gott ist nicht mehr selbstverständlich da, das Nachdenken über das Trennende, welches uns den Zugang zu Gott verwehrt setzt ein.

40 Tage dauert die Zeit, in der wir Gott, dem Glauben und somit auch unseren Mitmenschen und uns wieder näher kommen können.

Das von mir entworfene Fastentuch trägt den Gedanken der Annäherung in sich.

Nicht nur durch die Verhängung des Kruzifixes allein soll die Veränderung im Raum sichtbar und damit auf das Kreuz und seine Bedeutung aufmerksam gemacht werden. Eine mehrmalige Veränderung des Fastentuches soll auch die sich ändernden Gedanken, veränderte Sichtweisen und die Annäherung in dieser Zeit symbolisch aufgreifen.

 

Entwurfskonzept

Aus 46 zarten transluzenten Vliesstreifen werden insgesamt 7 textile Flächen zusammengenäht.

Dabei sind die 7 Flächen den 7 Wochen, in welchen die Fastenzeit liegt, zugeordnet.

40 der Vliesstreifen stehen für die 40 Fastentage. 6 Vliesstreifen wurden noch  6 der Flächen für die Sonntage als  Nicht-Fastentage in einer anderen Farbigkeit zugeteilt.

Zu Beginn der Fastenzeit hängen alle 7 textilen Flächen dicht hintereinander und verhüllen so das Kruzifix. Die transluzenten Stoffe werden durch ihre 7-fache Schichtung blickdicht. 

Woche für Woche wird eine der Flächen abgenommen, dabei erlangt der Stoff nach und nach seine Transluzenz “zurück”.

Aufgrund der stetigen Veränderung wird sich dem Kruzifix (wieder) angenähert.

Zu Beginn ist das Kruzifix nicht zu sehen, dann zu erahnen und die Umrisse werden Woche für Woche deutlicher sichtbar. Eine Veränderung, die letztendlich zu einer immer klareren und deutlicheren Sicht führt. 

Die Veränderung, welche durch das Abnehmen einer einzelnen textilen Fläche entsteht ist nicht groß, führt aber über die gesamte Zeit Schritt für Schritt zum Kruzifix und damit zu einer kompletten Änderung bishin zur “Befreiung”. Das Abnehmen der letzten Fläche steht somit für die Befreiung der Menschen durch den Kreuzestod Jesu.

Die vier Streifen der ersten und oberen Fläche stehen für die Tage von Aschermittwoch bis Samstag vor Invocavit. Danach enthalten die Bahnen jeweils 7 Streifen – von Sonntag bis Samstag, wobei einem Streifen (für den Sonntag) jeweils die Farbe Violett zugeordnet ist – die liturgische Farbe der Passionszeit. Für den Sonntag Laetare jedoch ist in vorausschauender Freude schon ein gelblicher-goldener Farbton eingearbeitet, der Hinweis auf die kommende Erlšsung. Die Farbe der Fastentage ist das reine Weiß.  Weiß steht hierbei einerseits für den völligen Verzicht (ohne jegliche Farbpigmente) und anderseits die Farbe der Reinheit und der Unschuld. 

Ausgenommen davon ist die letzte und untere Fläche die komplett aus violetten Streifen besteht und für die Karwoche, die intensivste Phase der Passionszeit steht.

Die einzelnen Flächen sind unterschiedlich breit und lang und werden asymmetrisch zueinander aufgehängt. Die senkrecht hängenden Flächen entstehen aus waagerechten Streifen, wie auch das Kreuz aus einer Senkrechten und einer Waagerechten besteht.

Markus Zink



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